Gisel Sengl, MdL, Erika Schalper

Wahlkampf – Unterhaltsam

Am Sonntag, 23.02. veranstalteten die Hallbergmooser Grünen zusammen mit der Landkreiskaniddatin Birgit Mooser Niefanger eine etwas andere Wahlkampveranstaltung.

Moderiert von MdL Gisela Sengl, las Erika Schalper Textpassagen und Selbstverfasstes zu politische Themen. Die Texte bezogen sich auf eine frühere Zeit, zeigten aber doch auch auf, wie wenig sich doch manchmal geändert hat. Max & Moritz sind auch auf die heutige Zeit übertragbar und jeder neue Wirt in einer Gemeinde kann ein Lied davon singen, wie schwer es doch ist, in einem Dorf akzeptiert zu werden.

Hier ist der Text “Gute Nachbarschaft” von Erika Schalper:

Viel Spaß.
Robert Wäger


Erika Schalper

Auf gute Nachbarschaft!

Mitte des 19. Jahrhunderts ist mein Ahn, Ignaz Schalper, von Babenhausen in Schwaben nach Söcking, einem Dorf oberhalb Starnbergs ausgewandert. Von ihm wurde erzählt, dass er lange, rote Haare gehabt hat. So wurde er zu meinem Lieblingsverwandten, denn ich konnte mich auf ihn berufen, wenn meine damaligen Spezl als langhaarige Pfuideifi von meiner aktuellen Verwandtschaft geschmäht wurden.

Der Ignaz muss ein recht umtriebiger Kerl gewesen sein. Er war 4 Mal verheiratet und war noch sehr gut beieinander, als er im Alter von 74 Jahren von einem Stier an die Wand gedruckt worden ist und daraufhin verstarb.

Er kommt also nach Söcking in ein Bauerndorf mit Kirche und Wirtschaft und lässt sich als Wirt nieder. Der alte Wirt heißt Altwirt, der neue nennt sich Neuwirt. Da weiß man dann gleich wo man dran ist.

Die Landbevölkerung in unserer Gegend wird von Linprun 1860 als muffig, nur dem Althergebrachten zugewandt beschrieben. Neuerungen gegenüber sind sie misstrauisch. Das lässt vermuten, dass der Ignaz zunächst recht allein in seiner Wirtschaft gewesen ist. „Wir haben ja schon einen Wirt,“ werden die Bauern gesagt haben. Also muss sich der Neuwirt was einfallen lassen. Er überzieht die Sperrstunden.

Das wird sich herum gesprochen haben.

Und das wird dem Altwirt nicht gepasst haben. Garnicht! Er lässt sich das nicht bieten und ruft so oft wie möglich die Gendarmerie, um dem nächtlichen Treiben Einhalt zu gebieten. Ich stell mir vor, dass die Schandis gern nach Söcking gekommen sind. Der Ignaz wird sie gebeten haben sich kurz zu erfrischen bei einer Maß Bier, die man ja nicht auf einen Zug hat austrinken können. Den Gendarmen wird es nicht pressiert haben mit dem Ausfertigen eines Strafzettels, den der Ignaz dann zu den anderen Strafzetteln in eine Schublade gelegt hat. Freunde sind die beiden Wirte dadurch nicht geworden.

Ganz in der Ordnung war der Altwirt älter als der Neuwirt und ist deswegen auch vor dem Jüngeren gestorben.

Das ganze Dorf wird auf der Beerdigung gewesen sein.

Alle sind der Reihe nach ans offene Grab gegangen und haben mit einem Zweig Weihwasser auf den Sarg gewaschelt.

Und dann ist der Ignaz ans Grab.

Muchsmäuserlstill ist es gewesen. Alle haben gespürt, dass was passieren wird, dass der Ignaz noch eine Rechnung offen hat mit dem Verstorbenen. Er greift in seine Joppentasche und holt ein ganzes Packerl Strafzettel raus. Einen nach dem andern zerreißt er und wirft sie ins Grab, auf den Sarg des toten Konkurrenten.

Diese Begebenheit war so schauerlich und so berührend, dass sie noch in meiner Kindheit von den Alten mit einer gewissen Ehrfurcht erzählt worden ist. Ich hab nicht verstanden, ob sie das Verhalten von meinem langhaarigen Ahn bewundert, oder abgelehnt haben.

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